Aufstieg zum hoechsten Berg Sibiriens- Belucha (4506m) - August 2010

Im August haben wir - 4 Deutsche - an einer Tour zur Belucha teilgenommen. Aufgrund der guten Erfahrungen im letzten Jahr waren 2 von uns zum 2.Mal mit "Altai-guide" unterwegs. Geplant war eine Besteigung der 4500m hohen Belucha, dem höchsten Berg Sibiriens. Obwohl wir Anfänger im Bergsteigen sind, sagte man uns, dass wir bei dieser Tour die notwendigen Fertigkeiten erlernen würden, um die Besteigung anzugehen. Dieser Vertrauensvorschuss hat uns sehr motiviert, und wir haben uns bemüht, unsere Kondition durch Wandern in den Alpen zu verbessern.Die ersten 3 Trekkingtage verliefen bei hochsommerlichen Temperaturen streckenmäßig so wie geplant. Man trug sein persönliches Gepäck- Ausrüstung, Zelt u. Lebensmittel wurde von den Lastpferden getragen. Am 3.Tag konnten wir zum ersten Mal das Belucha-Massiv sehen u. zwar frei von Wolken ! Ein Anblick, den man laut Statistik nur an wenigen Tagen im Jahr hat. Kurz darauf erreicht man den Akkem-See. Dieser unberührte Gletschersee mit seinem türkisfarbenen Wasser ist etwas ganz Besonderes. Bei Windstille, besonders gegen Abend wird die Seeoberfläche ruhig u. die mit Schnee u. Eis bedeckte Nordseite der Belucha spiegelt sich im See. Sie reflektiert das Licht noch lange nach Sonnenuntergang.
Es war entspannend, auch den folgenden Tag am See zu verbringen. Die russische Sauna im Holzhäuschen am See war eine Wohltat, danach konnte man sogar mal kurz in den eiskalten See springen. Borschtsch, Blinis u. Piroschkis schmeckten hervorragend. Hier hatten wir auch unser erstes Training  am bewaldeten Berghang :  Hochsteigen mit Hilfe der Steigklemme, Sichern u. Abseilen mit dem Abseilachter. Am nächsten Tag gings mit  Ausrüstung , Zelt u. Lebensmittel im Rucksack über den Akkem-Gletscher zum Hochlager "Tomskije stojanki"(ca.7 Stunden). Man war umgeben von großartiger Landschaft. Der Weg führte entlang der blumenbewachsenen Flusslandschaft über riesige abgelagerte Felsen zum Gletschertor. Später lief man über Eis u.Altschnee, vorbei an donnernden u.gurgelnden Gletscherbächen, die ihr Bett tief in das Eis gegraben hatten. Im Hochlager ist man von einem großartigen Panorama umgeben. Eingerahmt von der ca.1 km langen Eiswand , die vom Belucha -Gipfel überragt wird und dem  Gletscher schlägt man sein Zelt inmitten der Felsbrocken der Gletschermoräne auf. Hier übten wir am folgenden Tag bei strahlendem Sonnenschein das im Wald Gelernte auf dem Gletscher, nun auch noch mit Steigeisen: Aufsteigen, Queren u. Abseilen am Fixseil.
Am Tag darauf, der uns mit leichtem Schneetreiben empfing, wurde es ernst. Nach ca. 1-stündigem Anmarsch über den flachen Gletscher standen wir vor einer ca. 200 m hohen Eiswand, bis zu 50° steil, was uns als Anfänger wie nahezu senkrecht vorkam. Es galt, 5 Fixseile - jeweils 50 m lang - zu überwinden. Man kämpfte sich in kleinen Schritten hoch, die Wand u. das Seil nach oben schienen kein Ende zu nehmen, die Schwerkraft zerrte heftig an einem. Das eigene Körpergewicht plus Rucksack- bei den Frauen ca.12 - 15 kg schwer, bei den Männern mind. 25 kg u. mehr - hing an den Armen u. den Frontzacken der Steigeisen, die man möglichst fest in das bröckelnde Eis rammte. Nach den ersten beiden Seillängen ließ zwar die psychische Anspannung nach, leider auch die Kraft. Irgendwie erreichte man dann doch das Ende der Steilwand, den Delone-Pass(3400m). Von hier aus überquerten wir dann am Seil gehend den Mensu-Gletscher, den größten Gletscher des Altai-Gebirges. Die Gletscherspalten, die man auf breiten Brücken überquert, waren beeindruckend. Mittlerweile war aus dem anfänglichen Gewitter leichtes Schneetreiben geworden u. die Sicht wurde immer schlechter.  Nach einem anstrengenden  Anstieg erreichten wir endlich den auf 3525 m gelegenen Berelski-Sattel. Bei jetzt starkem Schneetreiben bauten wir die Zelte auf.
Leider schneite es nun die ganze Nacht u. den darauffolgenden Tag stark. Man lag gemütlich im Zelt, zum Kochen u. Zelt freischaufeln musste man leider ab u. zu raus ins Schneetreiben. Da die Wetterprognose für den nächsten Tag auch schlecht war u. mittlerweile mind. 1 m Neuschnee lag, war wegen der Lawinengefahr an eine Besteigung des Gipfels nicht mehr zu denken. Wir machten uns daher am folgenden Tag gegen 12.00 auf den Rückweg u. erreichten am Nachmittag nach dem Abseilen über die Eiswand wieder das Hochlager Tomskije stojanki. Nach einer kurzen Essenspause gings noch mal richtig zur Sache. Es wurde beschlossen, noch bis zum Basislager am Akkem-See hinunter zu gehen.
Bei Einbruch der Dunkelheit waren wir dann zwar schon beim letzten Drittel der Etappe, aber diese hatte es in sich.Bei Schneeregen u. im Licht der Stirnlampe kämpften wir uns über u. durch teilweise mannshohe Felsen, die der Gletscher da abgelagert hatte. Es schien kein Ende zu nehmen. Glücklicherweise konnten wir einem der Guides folgen, der sicher den Weg fand u. uns auch noch einen Teil des Gepäcks abnahm. Nachdem wir noch 3 glitschige Holzbrücken mit teilweise morschen Brettern  überm bedrohlich angestiegenen u. jetzt reißenden Fluss hinter uns gebracht hatten , standen wir endlich gegen Mitternacht vor unserem hell erleuchteten einladenden Gruppenzelt am Seeufer. Das Team von Altai-Guide hatte auf uns gewartet, der heiße Eintopf schmeckte köstlich. Alle Teilnehmer waren völlig durchnässt u. mehr oder weniger am Ende der Kräfte, aber doch auch zufrieden über die eigene Leistung , gut angekommen. Der folgende Tag am See war sehr angenehm. Schon am Vormittag war bei strahlendem Sonnenschein der Neuschnee weggetaut u. die nassen Sachen konnten im Lauf des Tages trocknen. Nach ausgiebiger Sauna fühlte man sich ziemlich gut. Die letzten beiden Tage- Rückweg durch den Wald am Akkem-Fluss entlang- verliefen bei gutem Wetter wie geplant.
Die ganze Vorbereitung u. Durchführung der Tour durch das Team von  "Altai-Guide" unter Leitung von Sergej Dolgov u. Andrej Bondarovich war hervorragend. Sie haben langjährige Erfahrung und sind sehr engagiert. Ebenso die Betreuung von uns Deutschen durch Andrej Bondarovich, der gut deutsch spricht u. uns ständig als Dolmetscher half, fanden wir super. Das trug natürlich auch dazu bei, dass wir uns  mit den russ. Teilnehmern gut verstanden. Obwohl wir den Gipfel wegen des schlechten Wetters nicht geschafft haben, waren wir mit dem Erreichten sehr zufrieden. Es war anstrengender, als wir erwartet haben , aber deshalb freut man sich noch mehr , dass man es geschafft hat. Wir haben viel gelernt u. es hat Spaß gemacht. Uns hat es gut gefallen, wir können "Altai-Guide"sehr empfehlen.
Erika Jöst, Deutschland September 2010 (Перевод отзыва на русский язык,) (Версия на английском языке)
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Дата: 21.09.20